
In Deutschland zählt Tuberkulose Tbc zu den seltenen Erkrankungen. In den so genannten Entwicklungsländern ist sie jedoch weit verbreitet. Besonders betroffen sind die afrikanischen Länder südlich der Sahara, der Süden und Osten Asiens, einige lateinamerikanische Staaten und zunehmend auch die Nachfolgestaaten der Sowjetunion . Weltweit tragen rund zwei Milliarden Menschen das Bakterium in sich. Jährlich erkranken über acht Millionen Menschen an Tuberkulose, ein Drittel davon stirbt an den Folgen der Erkrankung, so Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Obwohl die Tuberkulose durch die Einnahme einer Kombination verschiedener Medikamente heilbar ist, sterben noch immer mehr Menschen weltweit daran, als an jeder anderen behandelbaren Infektionskrankheit, betont das Robert-Koch-Institut. Tuberkulose ist die führende Todesursache bei HIV-Infizierten. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Tuberkulosefälle in den nächsten Jahren weltweit um durchschnittlich 3 Prozent pro Jahr ansteigen wird. Gründe dafür liegen auch in zunehmenden Resistenzen der Erreger gegen die eingesetzten Antibiotika.
Die Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit, die durch eine Tröpfcheninfektion mit dem unbeweglichen Stäbchen-Bakterium Mykobakterium tuberculosis verursacht wird. Infizierte Menschen geben die Bakterien nur dann an andere weiter, wenn die Tuberkuloseherde eine Verbindung nach außen haben, beispielsweise über die Atemwege, im Gegensatz zu abgekapselten Herden in Lunge, Knochen oder Niere. Den ansteckenden Zustand mit Verbindung nach außen nennt man "offene Tbc". In Deutschland unterliegt offene, also ansteckende Tuberkulose , dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Danach können Tuberkulose-Träger beispielsweise auch gegen ihren Willen isoliert werden. Die Erkrankung ist außerdem meldepflichtig. Die Inkubationszeit kann Wochen bis viele Monate betragen. Eine infektiöse Lungen-Tuberkulose tritt in der Regel 6 Monate nach einer Infektion auf, jedoch kann eine Erkrankung auch wesentlich früher auftreten. Das Erkrankungsrisiko ist in den ersten beiden Jahren nach der Infektion am höchsten. Aber auch noch nach Jahrzehnten kann die Krankheit ausbrechen.
Menschen aus sozial benachteiligten Gruppen der Gesellschaft unterliegen einem höheren Tuberkulose-Infektions- und Erkrankungsrisiko. Besonders gefährdet sind generell enge Kontaktpersonen von an offener Tuberkulose Erkrankten, Personen mit einer unzureichend behandelten früheren Tuberkulose sowie HIV-Infizierte und Patienten mit Krankheiten oder Behandlungen, die zu einer dauerhaften Schwächung des Immunsystems führen. Der alarmierende Anstieg der Tuberkulose-Erkrankungen und des Anteils resistenter Erreger in den sog. Neuen Unabhängigen Staaten (NUS = GUS + baltische Staaten) ist aufgrund der geographischen Nähe und der Migration aus diesen Regionen auch für Deutschland bedeutsam.
Tuberkulose früher auch „Schwindsucht“ genannt - betrifft in erster Linie die Lunge. Im Frühstadium kann eine Tuberkulose ohne auffällige Krankheitszeichen verlaufen. Symptome sind anhaltender Husten, Fieber, Nachtschweiß, Appetitverlust und Gewichtsabnahme sowie ein allgemeiner Leistungsabfall. Bei schweren und langen Verläufen können auch andere Organe und die Hirnhäute in Mitleidenschaft gezogen werden.
Entscheidend für eine effektive Tuberkulosebekämpfung ist die rasche Entdeckung erkrankter und infektiöser Personen und eine schnell einsetzende effiziente Therapie. In Deutschland ist die aktive Fallsuche eine wesentliche Voraussetzung für die Reduzierung der Erkrankungshäufigkeit an Tuberkulose.
Eine Tuberkulose ist schwierig zu behandeln. Notwendig ist ein Medikamenten-Cocktail über viele Monate. Als wäre das nicht schon schlimm genug, leiden auch immer mehr Menschen an therapie- resistenten Formen der Tuberkulose. Nach Angaben der WHO sind unter den Erkrankten etwa 300.000 mit mehrfach medikamenten-resistenter Tuberkulose ("MDR-Tuberkulose - MDR TB").
Die Tuberkulose-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut seit 1998 nicht mehr empfohlen. Gründe sind die begrenzte Wirksamkeit bei stabiler und niedriger Rate an Neuerkrankungen in Deutschland und die relative Häufigkeit von Impfkomplikationen. Dies entspricht den Empfehlungen der WHO, die vorgeschlagen hat, in Populationen, deren Infektionsrisiko für Tuberkulose unter 0,1 Prozent liegt, keine generelle Impfung durchzuführen. Die Röntgenreihenuntersuchung ist bei der derzeitigen niedrigen Fallzahl in Deutschland nicht mehr vertretbar, da Aufwand und Strahlenbelastung größer sind als der Nutzen durch die geringe Zahl der entdeckten Erkrankungen. Viele Menschen haben bereits eine gewisse Immunität gegen die Tbc-Erreger durch eine unbemerkte Erstinfektion. Mit einem einfachen Hauttest kann dies überprüft werden.
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