Vorbeugung
Vorbeugung und Risikofaktoren
Eine Erkrankung an Gebärmutterhalskrebs kann Frauen jeden Alters treffen. Ein frühzeitig aufgenommener Geschlechtsverkehr und häufige Partnerwechsel sind begünstigende Risikofaktoren für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs.
Papilloma-Virus-Infektion
Der wichtigste Risikofaktor ist eine Infektion mit HPV (Humanes Papilloma Virus), von dem es ca. 200 verschiedene Typen gibt. Das so genannte Papilloma-Virus kann unter anderem auch zu Feigwarzen am Scheidenausgang führen. Infektionen mit HPV sind sehr häufig; 80 Prozent aller Frauen sind im Laufe ihres Lebens damit infiziert. Bei 80 - 90 Prozent aller Infektionen kommt es zu einer spontanen Rückbildung. Nur bestimmte HPV-Typen (sogenannte high risk-Typen) sind tatsächlich manchmal krebsauslösend: u.a. die HPV-Typen 16 und 18. Diese finden sich lediglich bei 10 Prozent der Frauen. Eine vorsorgliche Untersuchung auf das Virus ohne Vorliegen eines Verdachtes könnte bei Betroffenen eine unnötige psychische Belastung bedeuten und ist daher nicht sinnvoll. Denn das Vorhandensein der Viren allein bedeutet nicht, dass ein Karzinom entstehen wird.
Sexualhygiene schützt
Ein weiteres Risiko stellt ungenügende Sexualhygiene dar. Vor allem die Spermaflüssigkeit kann krebsfördernd auf den Gebärmutterhals wirken. Bei häufig wechselndem Partner können Kondome Frauen schützen. Die Beschneidung des Mannes verbessert die Hygiene im Genitalbereich wesentlich und Partnerinnen von Beschnittenen leiden seltener an Gebärmutterhalskrebs. So ist in Israel und in muslimischen Ländern durch die Beschneidung des Mannes Gebärmutterhalskrebs eher eine Ausnahme.
Erste Impfung gegen Krebs
Der erste Impfstoff, der in den USA seit Sommer 2006 und nun auch bei uns in Deutschland erhältlich ist, kann Studien zufolge vor einer Infektion mit bestimmten HPV-Viren (den sog. Typen 16 und 18) schützen. Sie verursachen 70% aller Gebärmutterhalskrebserkrankungen und deren Vorstufen. Außerdem schützt der Impfstoff gegen die HPV Typen 6 und 11, die für etwa 90% aller Genitalwarzen verantwortlich sind. Neben den Humanen Papillomaviren HPV 16 und 18 sind noch etwa 10 weitere Gebärmutterhalskrebs fördernde Typen bekannt, die insgesamt die übrigen etwa 30% der Gebärmutterhalskrebse verursachen. Aus diesem Grund kann die derzeitige Impfung nicht vollständig schützen, sie senkt das Erkrankungs-Risiko aber deutlich.
Die Viren sind weit verbreitet
Da die Viren weit verbreitet sind, haben die meisten sexuell aktiven Menschen bereits mit ihnen Kontakt gehabt. Das Virus wird hauptsächlich beim Geschlechtsverkehr übertragen, durch kleinste meist unsichtbare Verletzungen in der Schleimhaut. Nur bei einem geringen Teil der infizierten Frauen entstehen Zellveränderungen, die nach langer Zeit und dem Einfluss zusätzlicher Faktoren zu einem Gebärmutterhalskrebs führen können. Die Infektion selbst kann nicht behandelt werden. Nach Angaben des Krebsinformationsdienstes (KID) kann das Immunsystem jedoch in 80 Prozent der Fälle diese Eindringlinge wirksam bekämpfen und wieder aus dem Körper entfernen bevor es zur Krebsentstehung kommt. Rauchen, ein geschwächtes Immunsystem oder Infektionen, z.B. mit Herpes simplex erschweren der Körperabwehr die Arbeit. Ob eine Infektion mit Humanen Papillomaviren besteht kann durch eine Untersuchung festgestellt werden. Mehr zum Test auf Papillomaviren, der als so genannte Ige-Leistung privat zu zahlen ist, lesen Sie hier.
Für Mädchen von neun bis 17
Die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs kann nur vorbeugen. Deshalb ist sie nur für Personen sinnvoll, die noch keinen Sexualkontakt hatten und sich noch nicht infiziert konnten. Die AOK zahlt demzufolge Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren eine entsprechende Impfung nach ärztlicher Beratung. Da diese Impfung noch nicht zum gesetzlichen Leistungskataloges gehört, stellt sie der Arzt privat in Rechnung. Auf Antrag erstattet die AOK die Kosten. Infos dazu gibt es in den Geschäftsstellen.
Kein Ersatz für Kondome
Die Impfung schützt nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie Syphilis, Gonorrhoe oder AIDS. Auch Menschen, die gegen HPV geimpft sind sollten deshalb zum Schutz gegen Ansteckung Kondome benutzen. Der Einsatz von Kondomen kann auch das Risiko einer HPV-Infektion und damit eines Gebärmutterhalskrebses deutlich senken. Man geht von bis zu 80prozentiger Schutzwirkung bei systematischem Gebrauch aus. Da die Erreger allerdings auch über die Haut übertragen werden können, bieten Kondome keinen vollständigen Schutz. Auch nicht in Kombination mit der Impfung, da diese wiederum nicht vor allen Varianten des Virus schützten kann.
Kein Ersatz für Früherkennungsuntersuchungen
Der Gang zur Früherkennungsuntersuchung ist trotz Impfung unbedingt empfehlenswert. Nur so können Vorstufen zum Krebs rechtzeitig und zuverlässig erkannt und behandelt werden. Durch die Impfung entsteht nur ein Schutz vor einem Teil der krebsauslösenden Viren.
"Es ist die erste Impfung, durch die Krebs verhindert werden kann. Diese besondere Möglichkeit möchten wir den jungen Mädchen bereits jetzt zur Verfügung stellen", betont Dr. Hans Jürgen Ahrens, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes.
Fragen und Antworten zur Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs
- Warum zahlt die AOK Impfungen ab dem Alter von 12 Jahren?
Da die HP-Viren durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, ist es wichtig, Mädchen vor dem ersten Sexualkontakt zu impfen. Die Impfung ist bereits ab 12 Jahren zugelassen. Nach der Impfung besteht ein Schutz gegen rund 70 Prozent der krebsauslösenden Viren.
- Wie wurde die Wirkung des Impfstoffs überprüft?
Der ursächliche Zusammenhang zwischen der Infektion mit bestimmten Viren (Humanes-Papilloma-Virus, HPV) und der Entstehung des Gebärmutterhalskrebses ist gesichert. Die neue Impfung schützt vor 70 Prozent der krebsverursachenden HP-Viren. Die Zulassung des Impfstoffes erfolgte auf der Grundlage von vier klinischen Studien mit etwa 20.000 Teilnehmerinnen im Alter von 16 bis 26 Jahren über eine Dauer von vier Jahren.
- Wann muss die Impfung aufgefrischt werden?
Die belegte Wirkdauer des Impfstoffes liegt bei fünf Jahren. Ob danach eventuell eine Auffrischimpfung nötig sein könnte, wird derzeit in einer Folgestudie in Skandinavien überprüft.
- Kann die Krebsvorsorge entfallen?
Auch für geimpfte Frauen bleibt es weiterhin wichtig, regelmäßig die Früherkennungsuntersuchung zum Gebärmutterhalskrebs zu nutzen, da nicht alle krebsauslösenden Viren durch die Impfung abgedeckt sind. Die regelmäßige Durchführung der Früherkennungsuntersuchung beugt dem Krebs vor. Durch die sogenannten "PAP-Abstriche" werden Veränderungen in den Zellen des Gebärmutterhalses frühzeitig erkannt und können dann rechtzeitig behandelt werden. Die Untersuchung wird AOK-versicherten Frauen ab dem Alter von 20 Jahren einmal pro Jahr angeboten. Die Kosten übernimmt die AOK, es muss dafür keine Praxisgebühr gezahlt werden.
- Gibt es Informationen zu Nebenwirkungen der Impfung?
Die häufigsten Nebenwirkungen sind harmlos. Es handelt sich wie bei anderen Impfungen um selten auftretendes Fieber und Reaktionen an der Injektionsstelle (Rötung, Schmerz, Schwellung). Von gravierenden Nebenwirkungen wird nicht berichtet. Bei Patientinnen mit einer Überempfindlichkeit (Allergie) gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile darf Gardasil allerdings nicht angewendet werden.
- Wie ist die Impfung erhältlich?
Die Impfung können AOK-versicherte Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren per Kostenerstattung sofort beim Arzt in Anspruch nehmen. Die aus drei Einzeldosen bestehende Impfung kostet rund 500 Euro und wird von der AOK erstattet.
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