Zeckenbiss - was tun?

Zeckenbiss - was tun?

  zecke1  

Zecken und die durch sie übertragene Krankheiten haben sich in den letzten Jahren sowohl räumlich als auch zeitlich ausgebreitet. Galt bis vor Kurzem die klassische Zeckenzeit von März bis Oktober, wurden in diesem Winter (November 2006 bis Januar 2007) wirtssuchende, aktive Zecken in Deutschland nachgewiesen. Durch das milde Wetter mit Temperaturen über 6 bis 7 °C finden sowohl Zecken als auch ihre Hauptwirte, die Mäuse, ideale Überlebens- und Nahrungsverhältnisse vor", sagt Dr. Jochen Süss, Leiter des Nationalen Referenzlabors für durch Zecken übertragene Krankheiten am Friedrich-Loeffler-Instituts. Aber auch veränderte Freizeitgewohnheiten mit vielen Aktivitäten im Freien und das vermehrte Bergen von Holz als Heizmaterial erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Zeckenstiche.

Wenn sie zustechen

Zecken lassen sich nicht von den Bäumen fallen, wie oft behauptet wird. Sie sitzen in Wiesen, im Gebüsch, auf Laub oder im Unterholz von Wäldern und Flusstälern in einer Höhe von 0,80 m bis 1,50 m und warten auf einen Wirt. Wenn sie ein Mensch streift, lassen sie sich einfach fallen und krabbeln bevorzugt an warme dünnhäutige und feuchte Körperstellen. Dazu gehören die Leiste, die Achseln, aber auch der Haaransatz.

Den Einstich der Zecke bemerkt der Mensch zunächst kaum. Mit ihrem Speichel gibt sie Stoffe ab, die die Einstichstelle betäuben und das menschliche Blut fließen lassen. Das ist gut für die Zecke aber schlecht für den Menschen. Der Parasit kann bis zu zehn Tage am menschlichen Körper fest sitzen und Blut saugen, wenn er nicht vorher entfernt wird. Je länger eine Zecke am menschlichen Körper sitzt, um so höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Zecke gefährliche Viren oder Bakterien auf den Menschen überträgt. Sie können - nicht jede Zecke ist infiziert - in dessen Blutbahn eindringen und Infektionen verursachen. Deshalb ist es so wichtig, sich nach einem Besuch in der Natur gründlich abzusuchen und Zecken sogleich zu entfernen.

Ziehen Sie die Zecken mit einer spitzen Pinzette, einer Zeckenzange oder -karte (aus der Apotheke) vorsichtig ab: Setzen Sie nah an Ihrer Haut und unterhalb des Zeckenkörpers an, um das Tier möglichst wenig zu quetschen, dann ziehen Sie die Zecke langsam von der Einstichstelle weg. Anschließend ist die Bissstelle mit Jod oder Alkohol zu desinfizieren. Zum Herausziehen kann man auch ein Vereisungsspray nutzen. Kalt eingenebelt erstarrt die Zecke und lasst sich leichter greifen. Sie können zum Entfernen der Zecke jedoch auch einen Arzt aufsuchen. Auf jeden Fall sollten Sie das tun, wenn Sie selbst die Zecke nur teilweise entfernen konnten.

Wenden Sie keinen der in Umlauf befindlichen Geheimtipps zur Zeckenentfernung wie Abbrennen der Zecke, Beträufeln mit Öl oder Aufbringen von Nagellack an. Sie schaden mehr als sie nützen, die Möglichkeit einer Infektion steigt dabei an, da die Zecken im Überlebenskampf vermehrt den erregerhaltigen Speichel in die Bissstelle entleeren.

FSME und Lyme-Borreliose

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und besonders die Lyme-Borreliose sind die häufigsten Erkrankungen in Europa, die durch Zecken übertragen werden.
In Deutschland erkranken jährlich rund 150 bis 300 Menschen an FSME und schätzungsweise etwa 60.000 an Lyme-Borreliose.

Die Ansteckungs-Gefahr einer Borreliose herrscht überall dort, wo sich Zecken aufhalten. Dagegen sind die Gebiete, in denen sich Menschen mit dem FSME-Virus anstecken können, lokal begrenzt. FSME-Erkrankungen sind vorwiegend in Mittel- und Osteuropa verbreitet. Laut Robert- Koch-Institut müssen besonders Menschen in großen Teilen von Bayern und Baden-Württemberg sowie Teilen von Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz mit einer FSME-Infektion rechnen. Bewohner und Touristen, die sich dort in der Natur aufhalten, wird eine Impfung gegen FSME empfohlen. Eine vollständige Immunisierung ist nach drei Impfdosen erreicht und hält drei bis fünf Jahre vor. Die FSME zeigt in Europa klar zunehmende Tendenz. Auch in Deutschland kommen jährlich neue Risikogebiete hinzu, im letzten Jahr (2006) gab es erstmals Erkrankungen in Niedersachsen sowie Einzelfälle in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Eine Karte über die aktuellen Risikogebiete Deutschlands kann man sich auf der Homepage des Robert-Koch-Institutes als pdf-Datei herunterladen.

Es gibt bis heute keine spezielle ursächliche Therapie gegen eine FSME Infektion. Die Therapie muss sich auf die Behandlung der Symptome wie z. B. fiebersenkende Medikamente beschränken. Nach Infektion mit FSME kann in schwersten Fällen innerhalb von zwei Tagen (allerhöchstens nach 96 Stunden) noch eine Gabe von Immunglobulinen (Antikörpern) erfolgen, hier handelt es sich um eine so genannte Akutimpfung.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis kündigt sich wie eine Grippe an. Der Betroffene fühlt sich zunächst schlapp, hat Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Bei einem Teil der Infizierten schädigen die Viren jedoch Zellen des zentralen Nervensystems. Kommt es dadurch zu einer Hirnhautentzündung, leidet der Patient unter hohem Fieber, Nackensteifigkeit und Kopfschmerzen. Die Krankheit heilt jedoch nach einigen Tagen aus. Sind auch andere Gebiete des Gehirns oder des Rückenmarks betroffen, kann die Infektion neurologische und psychologische Folgeschäden haben, z. B. Lähmungen, Sprach- und Bewusstseinstörungen sowie psychische Veränderungen.

Gegen die durch Borrelien verursachte Bakterien-Infektion Lyme-Borreliose gibt es im Gegensatz zu FSME keine Impfung. Sie kann jedoch gut mit Antibiotika behandelt werden. Typisch für die Erkrankung ist ein roter Rand, eine lokale Infektion der Haut, die sich nach Tagen bis zu wenigen Wochen an der Einstichstelle bildet und stetig vergrößert. Beobachten Sie die Stichstelle deshalb etwa vier Wochen lang, ob die sogenannte Wanderröte auftritt. Denn auch ein schnelles Entfernen der Zecke bietet keinen völligen Schutz vor der Übertragung von Krankheitserregern.

Eine Infektion mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi, das sich im Mitteldarm der Zecke befindet, erfolgt normalerweise erst nach ungefähr 12 bis 24 Stunden mit den Ausscheidungen der Zecke in den menschlichen Körper. Deswegen ist die rechtzeitige und schonende Entfernung der Zecken so wichtig.

Auch bei der Borreliose kann es zu grippeähnlichen Beschwerden wie Kopf- oder Muskelschmerzen, Fieber und Schwindel kommen. Wenn die Infektion nicht behandelt wird, können sich im weiteren Verlauf starke Kopf- oder Nervenschmerzen, Gesichtslähmungen und Herzbeschwerden einstellen. Im so genannten dritten Stadium leidet der Betroffene oftmals an starken und schmerzhaften Gelenkentzündungen. Sämtliche Organe, auch die Haut, können geschädigt werden. Deswegen ist es wichtig, wenn Sie oben genannte Symptome, wie Rötung der Haut oder grippeähnliche Symptome nach einem Zeckenstich bemerken, Ihren Arzt aufzusuchen.

Zum Seitenanfang

Was können Sie tun?

  • Durch helle Kleidung, die große Hautflächen bedeckt (Hemden oder Blusen mit langen Ärmeln, Hosen mit langen Beinen), geschlossene Schuhe und einer Kopfbedeckung kann man sich am besten vor Zecken schützen.
  • Zusätzlich hilft das Einreiben mit einem Zeckenschutzmittel oder den so genannten Repellents (Insektenabwehrstoffen) wie Autan. Die Mittel, die in der Regel nur eine Wirkungsdauer von zwei Stunden haben, sollten nicht bei Säuglingen oder Kleinkindern verwendet werden. Informieren Sie sich hier bei Ihrem Kinder- und Jugendarzt. 
  • Nach einer längeren Regenperiode sind Zecken besonders hungrig, so dass an den darauf folgenden ersten heißen Sonnentagen besondere Vorsicht angezeigt ist. 
  • Im Wald sollte man die Wege benutzen, nicht durch dichtes Gebüsch oder hohes Gras gehen, denn Zecken sitzen normalerweise in der Vegetation nicht höher als 1,5 m. 
  • Suchen Sie den Körper nach jedem Aufenthalt in Wald, Wiese, Gebüsch und Garten gründlich nach Zecken ab, vor allem an Körperstellen mit dünner Haut. Denken Sie beim Absuchen auch an die Kleidung, denn die kleinen Blutsauger verstecken sich gern in Strümpfen oder Kleidernähten und warten auf eine günstige Gelegenheit zuzustechen. 
  • Personen mit erhöhtem Risiko einer Infektion können sich durch eine Impfung vor der FSME schützen.

(Bild von der Baxter Deutschland GmbH, Unterschleißheim)

Linktipps

  • Auf den Webseiten des Robert Koch Institutes finden Sie regelmäßig aktualisierte Informationen zur FSME und zur Lyme-Borreliose.
  • Unter http://www.zecke.de/ gibt es die wichtigsten medizinischen und biologischen Informationen rund um die Zecke sowie Literaturtipps. !

Zum Seitenanfang

 

© AOK - Die Gesundheitskasse