Die AOK Nordost übernimmt grundsätzlich die Kosten für alle Behandlungsmethoden, die medizinisch notwendig sind. Das gilt vor allem bei Untersuchungen, die helfen, Krankheiten möglichst früh zu entdecken. Doch immer mehr Ärzte bieten „Individuelle Gesundheitsleistungen“ – kurz IGeL – an. Das sind Diagnose- und Behandlungsmethoden, die vom Patienten privat bezahlt werden müssen. Als „Wunschleistungen“ gehören sie nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Lesen Sie hier, was angeboten wird und warum wir diese Zusatzleistungen bis auf wenige Ausnahmen für nicht sinnvoll halten.
Bietet Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Ihnen einen PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs an, den Sie privat zahlen sollen, dann fragen Sie nach der Notwendigkeit der Untersuchung und ihrem Nutzen. Ärzte müssen Sie umfassend über alle Aspekte der Untersuchung informieren, Ihnen bspw. die Konsequenzen eines positiven Testergebnisses erläutern und auch auf mögliche Risiken hinweisen.
Weitere Tipps für Verbraucher zu individuellen Gesundheitsleistungen (kurz IGeL) finden Sie hier:
Das Prostata-spezifische Antigen (PSA) ist ein Eiweiß, das von der Prostata gebildet wird. Durch eine Blutuntersuchung wird festgestellt, ob erhöhte Werte (> 4ng/ml) vorhanden sind, die auf einen Tumor der Prostata hindeuten können.
Durch den Test lassen sich erhöhte PSA-Werte feststellen. Das Ergebnis sagt allerdings nicht aus, ob ein Krebsgeschwür der Auslöser ist.
Erhöhte Werte können verschiedene andere Ursachen haben, z. B.
Mit dem Alter steigt auch der normale PSA-Wert an. Der Grenzwert von 4ng/ml kann sich dann verschieben.
Mindestens 2 von 3 Männern, die einen auffälligen PSA-Wert haben, haben tatsächlich keinen Krebs.
Eine sichere Unterscheidung zwischen gutartiger oder bösartiger Prostatavergrößerung kann nur durch eine Gewebeentnahme (Biopsie) erfolgen. Diese Biopsie birgt die Gefahr von Komplikationen (Blutungen, Infektionen).
Prostatakrebs ist ein sehr häufiger Tumor, der bei etwa 50% aller Männer im hohen Alter vorkommt.
Nicht jeder gefundene Krebs muss behandelt werden. Durch den PSA-Test werden viele Prostatakarzinome festgestellt, die zu Lebzeiten des Mannes keine Bedeutung hätten. Die meisten Männer werden durch diesen Krebs weder beeinträchtigt noch gefährdet, da er sehr langsam verläuft, keine Beschwerden hervorruft und die Betroffenen auch nicht daran sterben (latenter Krebs).
Für diese Männer ist die nachfolgende, nebenwirkungsreiche Behandlung (Operation oder Strahlentherapie) überflüssig und nur mit Nachteilen verbunden. Nebenwirkungen der Behandlung können Impotenz und Inkontinenz sein. Der PSA-Test erkennt auch nicht jeden Prostatakrebs. Einige Karzinome haben einen niedrigen PSA-Wert.
Die Früherkennung von Prostatakrebs ist in der regulären Krebsfrüherkennungsuntersuchung für Männer ab 45 Jahren mit einer Tastuntersuchung der Prostata und der Befragung nach Symptomen enthalten.
In folgenden Situationen ist die PSA-Bestimmung eine Leistung der AOK:
Die PSA-Bestimmung für gesunde Männer ohne Beschwerden und Auffälligkeiten bei der Krebsfrüherkennungsuntersuchung hat nur eine geringe Aussagekraft und ist deshalb keine Leistung der AOK.
Ob die Testung von gesunden Männern auf eine Erhöhung des PSA-Wertes mehr nutzt als schadet, kann derzeit nicht abschließend beurteilt werden.
Da man nicht zuverlässig zwischen einem latenten oder einem aggressiven Krebs unterscheiden kann, werden fast alle Männer so behandelt, als ob sie einen aggressiven Krebs hätten. Dadurch besteht die Gefahr der Übertherapie und der Schaden ist eventuell höher als der Nutzen.
Eine regelmäßige Früherkennungsuntersuchung mit dem PSA-Test für alle Männer ab einem bestimmten Alter führt nach derzeitigen Erkenntnissen nicht zu einer Verringerung der Sterblichkeit an Prostatakrebs.
Zurzeit untersuchen zwei große Studien in Europa und den USA den bevölkerungsbezogenen Nutzen des PSA-Test.