Untersuchungen
Die Untersuchungen im Überblick
Ein Kinder- und Jugendarztbesuch ist aufregend. Da hat man schnell vergessen, was man den Arzt hat wichtiges fragen wollen. Wer sich bereits zu Hause alles auf einen „Spickzettel“ notiert, braucht nicht zu fürchten, etwas zu vergessen. Scheuen Sie sich nicht auch kleine, scheinbar unwichtige Auffälligkeiten mitzuteilen. Der Kinderarzt braucht Ihre Hilfe. Er sieht Ihr Kind nur bei der Untersuchung, Sie hingegen können es den ganzen Tag beobachten.
- U1: direkt nach der Geburt
Die erste Untersuchung im Leben des Säuglings, die Neugeborenen-Erstuntersuchung, findet unmittelbar nach der Geburt statt. Sie wird entweder vom Arzt oder in dessen Abwesenheit von der Hebamme durchgeführt. Ziel dieses Checks ist es, den Zustand des Säuglings zu erfassen. Hat das Kind die Geburt gut überstanden? Liegen eventuell angeborene Schädigungen vor, die sofort behandelt werden müssen? So lauten die typischen Fragen, die nun rasch geklärt werden müssen. Dabei wird nach dem „Apgar- Index“ vorgegangen. Dieser Begriff besteht aus den Anfangsbuchstaben von: Atmung, Puls, Grundtonus (Muskelspannung), Aussehen (Hautfarbe) und Reflexe, die es gilt zu testen. Die Bewertung erfolgt nach einem Punktesystem: 0 Punkte = Merkmale fehlen, 1 Punkt = Merkmale nicht ausgeprägt, 2 Punkte = Merkmale gut vorhanden. Die maximale Punktzahl beträgt 10 Punkte. Die Werte werden dreimal erhoben: 1, 5 und 10 Minuten nach der Geburt. Außerdem wird das Kind gewogen, gemessen (Kopf und Körper) und das Blut der Nabelschnur untersucht. Die Bestimmung von Körpergewicht, Kopfumfang und Körperlänge zählen zu den Standardmessungen, die auch in den kommenden Untersuchungen stets ermittelt werden.
- Neugeborenen-Hörscreening *
Beim Neugeborenen-Hörscreening wird das Hörvermögen eines Neugeborenen untersucht. Die Untersuchung erfolgt für jedes Ohr und soll bis zum 3. Lebenstag durchgeführt werden. Eine rechtzeitige Diagnose und eine entsprechende Nachsorge verhindern, dass sich die Hörschäden auf die gesamte Entwicklung des Kindes negativ auswirken. Denn die Entwicklung der Sprache der Kindes ist eng mit dem Hörvermögen verknüpft. Bei der Untersuchung werden natürliche Reaktionen des Innenohrs auf Schallreize untersucht. Die Untersuchung ist gefahrlos, sie wird an wachen oder schlafenden Neugeborenen durchgeführt.
- U2: dritter bis zehnter Lebenstag
Ein wichtiger Bestandteil dieses auch Neugeborenen-Basisuntersuchung genannten Checks ist das Neugeborenenscreening (früher Guthrie-Test). Es dient der Überprüfung, ob angeborene Stoffwechsel- oder Hormonstörungen vorliegen. Dafür entnimmt der Arzt oder die Nachsorgehebamme einen kleinen Blutstropfen aus der Ferse. Außerdem wird das Baby erneut komplett untersucht: Organe, Wirbelsäule, Hüften, Sinnesorgane, Motorik und Nervensystem. Hinzu kommen Darmausgang und Geschlechtsorgane. Der Arzt erkundigt sich, ob möglicherweise Schwierigkeiten beim Trinken auftreten, ob Ihnen Unregelmäßigkeiten beim Atmen oder Krämpfe aufgefallen sind. Sie werden über die Rachitis und Fluoridprophylaxe informiert. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde weist darauf hin, dass Fluorid in erster Linie durch direkten Kontakt mit dem Zahnschmelz karieshemmend wirkt. Da bei Säuglingen aber die Zahnpflege in vielen Fällen noch recht schwierig ist, empfiehlt sich im ersten Lebensjahr die Gabe von Fluoridtabletten, in Kombination mit Vitamin D. Im zweiten Lebensjahr kann dann auf eine Zahnpflege mit fluoridhaltiger Zahncreme umgestellt werden. Mehr über den neuesten Stand der Kariesprophylaxe bei Kleinkindern erfahren Sie hier.
- U3: vierte bis sechste Lebenswoche
Das Kind wird erneut vermessen (Kopf und Körper) und vollständig untersucht. Der Arzt testet die Reflexe und untersucht das Gehör des Babys. Ernährung, Schlaf und Stuhlgang, des Kindes spielen eine Rolle. Der Arzt fragt, ob Ihnen am Verhalten des Kindes irgendetwas aufgefallen ist und ob Sie mit der Entwicklung zufrieden sind. Einen Schwerpunkt bildet die Ultraschalluntersuchung der Hüfte, um eventuelle Fehlstellungen zu erkennen. Zwei bis vier Prozent aller Neugeborenen kommen mit einer so genannten Hüftdysplasie zur Welt. Diese angeborene Fehlbildung des Hüftgelenkes betrifft Mädchen fünfmal häufiger als Jungen. Frühzeitig erkannt, ist eine Fehlstellung in den meisten Fällen noch problemlos mit einfachen Hilfsmitteln wie beispielsweise Spreizhosen auch ohne Operation korrigierbar. Unbehandelt kann eine Hüftgelenkfehlbildung zu frühzeitigem Gelenkverschleiß und Arthrose führen.
- U4: dritter bis vierter Monat
Die vierte Vorsorgeuntersuchung prüft neben einer kompletten körperlichen Untersuchung das Bewegungsverhalten des Kindes. Der Arzt erkundigt sich nach dem Verhalten des Kindes. Kann es schon den Kopf halten? Wie sieht es mit dem Greifen von Gegenständen aus? Bewegt es den Kopf zur Schallquelle hin? Verfolgt es "interessante" Gegenstände mit den Augen? Kann das Kind die Hände zusammenführen und umfassen? Die erste Routineimpfung steht an. Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Institutes empfiehlt die Mehrfachimpfung gegen Diphtherie, Haemophilus Influenza, Hepatitis B, Keuchhusten (Pertussis), Wundstarrkrampf (Tetanus) und Kinderlähmung (Poliomyelitis). Für die Grundimmunisierung wird dreimal im Abstand von vier Wochen geimpft. Sie werden also weitere Impftermine in vier und in acht Wochen von Ihrem Arzt erhalten. Mehr zum Thema Impfen erfahren Sie hier.
- U5: sechster bis siebter Monat
Bewegung und Geschicklichkeit des Kindes stehen im Mittelpunkt. Kann sich das Baby ohne Hilfe vom Rücken in die Seitenlage oder auf den Bauch drehen? Stützt es sich in Bauchlage mit den Händen ab? Augen und Ohren werden ebenfalls einer Kontrolle unterzogen. Nimmt das Kind Blickkontakt auf, lacht es stimmhaft? Zeigt es Interesse für ein angebotenes Spielzeug? Der Arzt gibt Hinweise zu Mundhygiene und zahnschonender Ernährung.
- U6: 10. bis 12. Monat
Wie steht es um Koordinationsfähigkeit und Sprache? Beherrscht das Kind bereits die Silbenverdopplung wie „dada“? Reagiert es auf leise Geräusche? Kann das Kind krabbeln, sich hochziehen und erste Schritte machen? Sind erste Milchzähne sichtbar? Es erfolgt eine vollständige körperliche Untersuchung. Noch ausstehende Impfungen werden durchgeführt.
Zwischen U6 und U7 erfolgt der Abschluss der Grundimmunisierung mit der vierten Impfung gegen Diphtherie, Haemophilus Influenza, Hepatitis B, Keuchhusten (Pertussis), Wundstarrkrampf (Tetanus) und Kinderlähmung (Poliomyelitis). Ebenfalls in diesem Zeitraum liegt die erste Impfung gegen Mumps, Masern, Röteln sowie Windpocken. Mehr zum Thema Impfen erfahren Sie hier.
- U7: 21. bis 24. Monat
Mit zwei Jahren stehen die Untersuchung des Bewegungsapparates, die geistige Entwicklung und das Hör- und Sehvermögen im Vordergrund. Auch die Sprach- und Sozialentwicklung des Kindes interessieren den Arzt. Bekundet das Kind seinen Willen? Versteht es, was die Eltern sagen? Eine altersgerechte Sprache umfasst in diesem Entwicklungsstadium Zweiwortsätze und Sprechen in der dritten Person, z. B. „Paul trinken“. Das Kind sollte in der Lage sein, auf ihm genannte Körperteile, wie Kopf oder Bauch, zeigen zu können. Die ersten freien Schritte werden von den meisten Kindern bis zum 15. Monat getan. Im Rahmen der U7 kann der Mumps/ Masern/ Röteln-Schutz komplettiert werden.
- U7a: 34. bis 36. Lebensmonat (3 Jahre)
Die Früherkennungsuntersuchung U7a ist eine zusätzliche Untersuchungsmaßnahme für Kinder im 34.-36. Lebensmonat. Sie soll die Lücke zwischen den bisherigen gesetzlich geregelten Vorsorge-Terminen schließen, um eine bessere Prävention in dieser für die Entwicklung des Kindes entscheidenden Altersstufe zu ermöglichen.
Schwerpunkte dieser Untersuchung sind die Früherkennung von allergischen Erkrankungen, altersspezifischen Sozialisations- und Verhaltensstörungen, Übergewicht, Sprachentwicklungsstörungen sowie Zahn-, Mund- und Kieferanomalien.
- FU1
Die AOK übernimmt die Kosten für drei zahnärztliche Untersuchungen (FU1 - FU3, "Milchzahn-Check"). Hier sollen möglichst früh Zahnschäden erkannt werden und eine gesunde Mundhygiene besprochen werden.
- U8: dreieinhalb bis vier Jahre
Es steht erneut eine Untersuchung von Kopf bis Fuß an: Organe, Motorik, Sprache, Hören und Sehen. Aber auch soziale Fähigkeiten wie Selbstständigkeit und Kontaktfähigkeit werden getestet. Zu einer altersgemäßen Sprache zählen das Sprechen in Sätzen in der „Ich-Form“. Die Milchzähne sollten vollständig ausgebildet sein.
- FU2
Der zweite Termin für den Kinder-Zahn-Check sollte frühestens 12 Monate nach der ersten Untersuchung erfolgen.
- FU3
Die dritte der zahnärztliche Kinderuntersuchungen steht an. Der Termin sollte frühestens 12 Monate nach der zweiten Untersuchung absolviert werden.
- U9: ungefähr mit fünf Jahren
Neben den üblichen Kontrollen wird geprüft, ob orthopädische Fehlentwicklungen oder Zahnschäden vorliegen. Der Arzt gibt eine erste Einschätzung, wann das Kind schulreif sein wird, nachdem er Sozialverhalten, Intelligenz und psychische Entwicklung unter die Lupe genommen hat. Nun ist auch der Zeitpunkt gekommen, den Tetanus/ Diphtherie-Schutz aufzufrischen. Dies sollte zwischen dem fünften und sechsten Lebensjahr erfolgen. Mehr zum Thema Impfen erfahren Sie hier.
- U10: Im Alter von 7 bis 8 Jahren *
Schwerpunkte sind das Erkennen und ggf. Einleitung der Therapie von umschriebenen Entwicklungsstörungen (z.B. Lese-Rechtschreib-Rechenstörungen), Störungen der motorischen Entwicklung und Verhaltensstörungen (z.B. ADHS Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung).
- U11: Im Alter von 9 bis 10 Jahren *
Schwerpunkte sind das Erkennen und die Behandlungseinleitung von Schulleistungsstörungen, Sozialisations- und Verhaltensstörungen, Zahn-, Mund- und Kieferanomalien, gesundheitsschädigendem Medienverhalten. Diese Untersuchung soll u. a. der Bewegungs- und Sportförderung dienen, den problematischen Umgang mit Suchtmitteln erkennen und verhindern helfen, aber auch gesundheitsbewusstes Verhalten unterstützen (u.a. Ernährungs-, Bewegungs-, Stress-, Sucht- und Medienberatung).
- J: 12 bis 14 Jahre
Die "Jugendgesundheitsuntersuchung" gibt es bereits seit 1998 und wird von der AOK gezahlt. Sie fällt in eine Zeit enormer körperlicher und seelischer Entwicklungssprünge. Es werden Fragen zum aktuellen Befinden und zu bisherigen Krankheiten gestellt. Blutdruck, Blut und Urin werden untersucht. Auf Wunsch des Jugendlichen kann diese Untersuchung ohne die Eltern stattfinden. Themen können auch Sexualität, Verhütung, Alkohol und Drogen sein. Der Arzt stellt fest, ob noch Impfungen nachgeholt werden müssen. Zwischen dem 10. und 17. Lebensjahr sollte auch der Tetanus/ Diphtherie/ Pertussis/ Polio-Schutz aufgefrischt werden. Wenn noch nicht geschehen, sollte die Hepatitis-B-Impfung durchgeführt werden.
* Hinweis: Bitte beachten Sie, dass es sich bei dieser Untersuchung nicht um eine Leistung jeder gesetzlichen Krankenversicherung handelt. Bitte fragen Sie bei Ihrer AOK nach.
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